Rassismus und Islamkritik

Die Tyrannei des Islamischen Staates, in seinen syrischen und irakischen Gebieten, ließ sich mit den gängigen Begriffen der politischen Debatten nicht fassen.
Weltweit werden Unbeteiligte im Namen des Islams in den Tod gerissen. Woraufhin im Namen der Sicherheit die Überwachung und Polizeipräsenz immens verstärkt wird.

Während der Islamische Staat geopolitisch kaum noch eine Rolle spielt, hat der Islamismus in der Islamischen Republik Iran bereits staatliche Form; weitere Staaten haben eine starke islamistische Prägung. Auch in vermeintlich säkularen Staaten bemühen sich islamistische Verbände um die Verbreitung eines fundamentalistischen Islams.

Patriarchale Familienstrukturen in islamisch-konservativen Familien sind immer wieder Gegenstand politischer Debatten. Ehrtötungen, Zwangsheirat und Verschleierung von minderjährigen Mädchen verstören jeden an Emanzipation interessierten Menschen. Ebenso die Idee einer deutschen Leitkultur, die gerne als Lösung ins Feld geführt wird.

Denn deutsch sind vor allem asyl- und migrationsfeindliche Demonstrationen und Bewegungen, die Hass gegen Muslime verbreiten und damit die Dichotomie von „Wir gegen sie“ vorantreiben. Dieser Hass gipfelt in lebensbedrohlichen Angriffen u.a. auf Geflüchtetenunterkünfte, und seiner parlamentarischen Etablierung. In deren Folge sich diesen Bewegungen neue, insbesondere finanzielle, Möglichkeiten eröffnen. Während altbewährte linke Strategien – Blockaden und Störaktionen – ins Leere laufen, werden die Stimmen, die um Dialog mit Rechtsextremen und -radikalen werben, immer lauter.
Spektren übergreifend ist man sich in Deutschland darin einig, dass es sich bei Sexismus, patriarchalen Familienstrukturen, Antisemitismus und der Empfänglichkeit für islamistische Ideologie um genuin muslimische Probleme handelt. So formulierte der Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, in Reaktion auf antisemitische Demonstrationen im Dezember 2017, Deutschsein als Gegenthese zum Antisemitismus.

Vor diesem spannungsgeladenen Hintergrund stellen wir uns die Frage, wie der sich antimuslimisch artikulierende Hass funktioniert und wie ihm begegnet werden kann, ohne dabei Islam und Islamismus zu verharmlosen und die notwendige Kritik an beiden zu verunmöglichen. Gleichzeitig wollen wir emanzipatorische Kritik an Islam und Islamismus üben und fragen uns nach den Unterschieden zwischen einer solchen und der mehrheitlich antimuslimischen „Kritik“.

Wir haben uns mit Lothar Galow-Bergemann getroffen, um über die sogenannte Islamdebatte zu sprechen. Lothar schreibt für die Zeitschriften konkret und jungle world. Außerdem ist er im Netzwerk Emanzipation und Frieden aktiv, welches auf ihrem Blog emafrie.de regelmäßig Beiträge zur Gesellschaftskritik veröffentlicht.

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Ankündigung: Chancengleichheit gibt es nicht!

Lesung und Diskussion mit Anna Kow und Virginia Kimey Pflücke (Redaktion outside the box)

Frauenemanzipation ist kein Rad, das sich quasi-natürlich immer weiter dreht. Der heutige bürgerliche Feminismus vergisst das gerne und will gleiche Chancen für Frauen*. Das ist an sich nicht verkehrt – vor allem dann nicht, wenn dank #Aufschrei und #MeToo patriarchale Verhältnisse in Arbeits- und Alltagsverhältnissen endlich wieder öffentlich thematisiert
werden. Aber was ist mit den Strukturen, die dazu führen, dass die eine im Aufsichtsrat sitzt und in einem Jahr genug verdient, um zehn Jahre davon zu leben, während die andere für einen Lohn, der zum Überleben kaum reicht, ihre Wohnung putzt? Wie hängen patriarchale Gewalt und kapitalistische Zwänge zusammen? Und was wäre die feministische Antwort darauf?

Anna Kow und Virginia Kimey Pflücke lesen aus ihrem Essay [work in progress]. Virginia Kimey Pflücke forscht zu Geschlechterverhältnissen und Arbeit im Kapitalismus, Anna Kow beschäftigt sich lesend und schreibend u.a. mit Sexualität und Literatur. Beide sind Redakteurinnen der „outside the box – Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik“

Veranstaltung im Rahmen der Reihe »Kritik der Arbeit«, organisiert von RIAund la:iz.

HU-Hauptgebäude, Unter den Linden 6, Hörsaal 1072

Donnerstag, 05.07.2018, 19:00

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Vortragsankündigung: Feminismus, Marxismus und die globale Vereinnahmung der sozialen Reproduktion

Feminismus, Marxismus und die globale Vereinnahmung sozialer Reproduktion – Vortrag und Diskussion mit Friederike Beier:

Die unbezahlte Sorge- und Hausarbeit von Frauen gewinnt sowohl in der globalen Politik als auch in der Wissenschaft zunehmend an Bedeutung. Feministische Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen
haben sich erfolgreich für deren Integration in die Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (Ziel 5.4) eingesetzt. Damit ist die Hoffnung verbunden, dass der ökonomische Beitrag von Frauen im Kontext globaler Politik sichtbar gemacht und anerkannt werden kann.

In dem Vortrag wird das plötzliche Interesse an unbezahlter Pflege- und Hausarbeit und deren Anerkennung und Messung durch internationale Organisationen kritisch diskutiert. Nach einer Einführung marxistischer Perspektiven auf soziale Reproduktion durch das Landnahmetheorem wird der Frage, ob und wie feministische Ideen und Konzepte vereinnahmt wurden, nachgegangen. Abschließend werden die Auswirkungen der globalen Politik auf die Organisation sozialer Reproduktion und globale Ungleichheit sowie mögliche Gegenstrategien diskutiert.

Friederike Beier ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsschwerpunkt für Gender and Diversity am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin. Sie lehrt und forscht zu den Themen feministische Staatstheorie und Ökonomiekritik, Gleichstellungspolitik und soziale Reproduktion im Kontext von Global Governance.

Fünfte Veranstaltung im Rahmen der Reihe »Kritik der Arbeit«, organisiert von RIA und la:iz.

HU-Hauptgebäude, Unter den Linden 6,Hörsaal 1072

Donnerstag, 21.06.2018, 19:00

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Vortragsankündigung: Arbeit macht unfrei – Zum Zusammenhang von Arbeitsfetisch und Antisemitismus

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Wer streikt, macht zwei Erfahrungen: Dass es gut ist, sich zu wehren. Und dass, selbst wenn man erfolgreich war, danach doch alles irgendwie beim Alten bleibt. Dass wir lebenslänglich arbeiten-müssen-um-Geld-zu-verdienen-damit-wir-leben-können ist das ungeschriebene, aber höchste Gesetz der bürgerlichen Gesellschaft. Arbeit sei so etwas wie Natur, lautet der allgemeine Konsens. Wer etwas gegen sie hat, gilt als verrückt oder faul, meistens als beides.

Nicht immer wurde die Arbeit so überhöht wie heute. In der Antike hatte sie sogar einen ausgesprochen schlechten Ruf. Mit Beginn der Neuzeit jedoch erfuhr sie religiöse Weihen. Das protestantische Arbeitsethos stand an der Wiege des Kapitalismus. Das Bürgertum, die Arbeiterbewegung und der Nationalsozialismus haben die Arbeit förmlich verherrlicht.

Doch auch wenn es dem herrschenden Bewusstsein noch so uneinsichtig ist: Arbeit und nützliches/ sinnvolles/lustvolles Tätigsein sind zwei Paar Stiefel. Auch ist Arbeit kein „antagonistischer“ Gegensatz zum Kapital. Sie ist vielmehr herrschendes Formprinzip der warenproduzierenden Gesellschaft, deren Ausgangs- und Zielpunkt nicht etwa der stoffliche Reichtum ist, von dem alleine wir leben, sondern die selbstzweckhafte Verwertung des Werts.

Die Insassen dieser Gesellschaft müssen darauf hoffen, dass der Markt ihrer Arbeit Wert bescheinigt. Aus der Arbeit beziehen sie ihre Identität. Obwohl sie lebenslang die Angst begleitet, „wertlos“ zu werden und ins Bodenlose zu stürzen, erscheinen ihnen diese Verhältnisse als natürlich und alternativlos. Läuft nach ihrem Empfinden etwas schief in der Gesellschaft, machen sie vornehmlich „eine falsche Politik“ dafür verantwortlich, ohne die basalen Zwänge der Ökonomie auch nur eines Blickes zu würdigen. Häufen sich allerdings Krisen, Elend, Not und Kriege, so hat das für sie erst recht nichts mit der Herrschaft von Arbeit, Ware, Wert, Markt und Kapital zu tun, sondern ist äußeren Faktoren geschuldet. Ihr Tunnelblick kann dann schnell zu Verschwörungsweltbildern mutieren. Sie phantasieren dunkle Mächte, getrieben von verwerflichen Interessen und böser Absicht, die ihnen an den Kragen wollen. Ihre Identifikation mit der „ehrlichen Arbeit“, die von der „Raffgier“ bedroht wird, entlädt sich schlimmstenfalls im antisemitischen Vernichtungswahn. Nicht ohne Grund stand der perverse Satz „Arbeit macht frei“ über dem Tor von Auschwitz.

Die Nationalsozialisten setzten „die Gierigen“ mit „den Juden“ gleich. Doch auch wer das nicht tut, kann sich in einer gefährlichen Nähe zum Antisemitismus befinden, ohne sich darüber im Klaren zu sein. Eine reflektierte Kapitalismuskritik, die sich wesentlich vom herrschenden Bauch-Antikapitalismus unterscheidet, der Gesellschaftskritik mit Wut auf „gierige Bankster“, „Lügenpack“ und „Lügenpresse“ verwechselt, ist heute nötiger denn je. Zumal sie mit der Kritik der Arbeit beginnt und deswegen einen völlig anderen Blick auf die Dinge werfen kann: Der eigentliche Skandal ist nämlich nicht, dass die gewaltige Steigerung der Produktivität, die wir erleben, nicht jedem einen Arbeitsplatz verschafft, sondern dass wir trotzdem immer mehr und immer länger arbeiten sollen. Schon längst wäre ein besseres Leben für alle mit viel mehr Raum zur persönlichen Entfaltung möglich. Ohne Kapitalismus.

Lothar Galow-Bergemann war Personalrat in zwei Großkliniken. Seine schönsten Arbeitstage erlebte er, wenn er zusammen mit seinen KollegInnen gestreikt hat. Heute schreibt er u.a. in Konkret, Jungle World und auf http://www.emafrie.de.


Mittwoch, 9. Mai 19:00
Unter den Linden 6 HU-Hauptgebäude Hörsaal 1072

Veranstaltung aus der Reihe „Kritik der Arbeit“ von la:iz und RIA.

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Vortragsankündigung: Einführung in die Marxsche Kapitalismuskritik

Zum Auftakt unserer Veranstaltungsreihe »Kritik der Arbeit« führt Anne-Kathrin Krug in die Grundbegriffe der Marxschen
Kapitalismusanalyse ein:

Marx ist zur Zeit in aller Munde. Im letzten Jahr feierte die erste deutsche Ausgabe des Kapital Band 1 150jähriges Jubiläum und in diesem Jahr wird 200. Geburtstag von Marx selbst gefeiert. Einen Blick in sein Hauptwerk Das Kapital haben aber nur sehr wenige geworfen. Kann man sich das sparen? Ist er nicht eine Figur des 19. Jahrhunderts, der damals wichtig war, für uns heute aber nichts Brauchbares mehr leistet?

Die Veranstaltung führt in die Marxsche Kapitalismuskritik ein, stellt die wichtigsten Grundbegriffe vor und versucht einen Zusammenhang der drei Bände des Kapital zu skizzieren. Dabei wird sich entsprechend des Themas der Ringvorlesung schwerpunktmäßig auf den Begriff der Arbeit im Kapital bezogen.

Anne-Kathrin Krug ist Rechtsanwältin in Berlin und teamt seit vielen Jahren Lesekreise zum Kapital Band 1 bis 3.


24. April 2018, 19:00
Unter den Linden 6 HU-Hauptgebäude Hörsaal 2002

Veranstaltung von laiz und RIA.

 

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no:bedience – 1.4. im Mensch Meier

Wir machen ne Party im Mensch Meier! 1.4. ab 21h mit Vortrag. 8-12€. Bis 23h gegen Spende.

>English version below<

[ˈʊnɡəˌhoːɐ̯zaːm] Die Nichtbefolgung oder Weigerung, eine Verhaltensaufforderung einer Autorität auszuführen.

[ˈʀaʊ̯ʃ] Mentaler Zustand der Glückseligkeit.

[ˌzolidaʀiˈtɛːt] Bewusstsein der Zusammengehörigkeit, gegenseitige Hilfsbereitschaft.

no:bedience richtet sich gegen die herrschenden Verhältnisse und ruft zum solidarischen Rausch unter Ungehorsamen auf. Pfeffi für jede mitgebrachte polizeiliche Vorladung!

Und um dem Patriarchat eins auszuwischen, stehen mehrheitlich FLTI*-Personen hinter den Decks und ein Awareness-Team wird während der gesamten Veranstaltung bei übergriffigem Verhalten ansprechbar sein. Die Location ist barrierearm.

Lasst uns gemeinsam im MenschMeier feiern und entschlossen gegen Repression zusammenstehen.

United we stand – divided we fall!

Supported by Friedel54-Siebdruckstand & Rote Hilfe Berlin!

21h: Input.

// Adolfina Fuck (live) | antisemantic

// Anselmus | Herz&Leber / Solidarisch Tanzen

// Bouba | sleepers

// freakout | Grenzenløs / drosssel

// Kataya

// Liesa | HAMAM Nights

// Nina Berg

// Punani | minikry

// Wie ein Vogel einst (live) | loopop

// Rotation 44 | antisemantic / Dachbarn

// s.ra | Institut fuer Zukunft / No Show

// Yves Eden | Nachtasyl

[English version]

[ˌdɪsəˈbiːdɪəns] Refusal to obey.

[ˈɛkstəzi] Intense pleasure, a state of emotion so intense that a person is carried beyond rational thought and self-control.

[ˌsɒlɪˈdærɪtɪ] A bond of unity or agreement between individuals, united around a common goal or against a common enemy; mutual support within a group. Willingness to give psychological and/or material support when another person is in a difficult position or needs affection.

no:bedience directs against the material and political conditions in this society and calls for solidary ecstasy among disobedient comrades and friends. Pfeffi shots for every police summons brought along!

Scoring off the patriarchy more than half of the lineup are flti* DJs and there will be an awareness team approachable during the entire event. The location is wheelchair accessible.

Let us dance together and stand strong against repression. United we stand – divided we fall!

*flti stands for WomenLesbiansTransInter.

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Für einen neuen Tarifvertrag und ein Ende der Arbeit!

In Solidarität mit den streikenden Studentischen Hilfskräften in Berlin haben wir folgendes Flugblatt verfasst und während des Streiks verteilt:

Letzte Woche versammelten sich im Rahmen des Warnstreiks der studentischen Beschäftigten etwa 1.300 Menschen auf dem Bebelplatz. Ein beachtlicher Erfolg, tritt die Universität als Schauplatz politischer Kämpfe doch nur noch selten in Erscheinung. Die Verschulung und arbeitsmarktkonforme Ausrichtung der Studiengänge, im Zuge des Bologna-Prozesses, hatten eine enorme Steigerung des Arbeitsaufwands zur Folge und setzen somit den Möglichkeiten politischer Partizipation enge Grenzen. Auch in den übrigen Bereichen ordnen sich seit Jahren die Ideale der Universität den Prinzipien des freien Marktes unter: »survival of the fittest« statt akademischer Freiheit. Der vermeintliche Traumarbeitgeber Universität hat deshalb vor allem prekäre Beschäftigungsverhältnisse zu bieten, die sich u.a. in 40h-Wochen bei Teilzeit-Stellen für Doktorand*innen und einem seit 17 Jahren sinkenden Reallohn für studentische Hilfskräfte äußern.

Diese Zumutungen im akademischen Hamsterrad werden oftmals mit einer Ideologie der Selbstverwirklichung durch Arbeit kompensiert und erscheinen als notwendiges Übel auf der Karriereleiter. Befristete Arbeitsverträge und kurze Regelstudienzeiten erschweren die politische Organisation dagegen zusätzlich. Doch es regt sich Widerstand. Wie schon vergangene Woche streiken nun die Studentischen Hilfskräfte für mehr Lohn, Urlaub und Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall. Ein wichtiger Kampf, der geführt werden muss und dessen Erfolg wir uns wünschen.

Für diese Verbesserungen gilt es sich gegen die Vorgesetzten durchzusetzen, die ihren Wettbewerbsvorteil auch mit unlauteren Mitteln schützen wollen, indem sie dem legalen Arbeitskampf mit Repressionen drohen. Doch weder ist die Ursache der Probleme mit den Vorgesetzten benannt, noch kann deren Lösung eine mickrige Lohnerhöhung um drei Euro sein.
Vielmehr muss es darum gehen eine Gesellschaftsordnung zu kritisieren die sich nicht nach den Bedürfnissen der Menschen richtet, sondern jede Sphäre, ebenso die der Universität, dem Prinzip der profitablen Verwertung unterwirft. Eine Gesellschaft, in der technologischer Fortschritt und der damit einhergehende stoffliche Reichtum nicht die entwürdigende Tätigkeit der Arbeit überflüssig macht, sondern die Konkurrenz unter den Individuen befeuert und die Erde unbewohnbar hinterlässt – eine patriarchal-kapitalistische Gesellschaft.

In Zeiten in denen rechte Ideologien reichlich Gehör finden, die die rassistische Zuspitzung der Konkurrenz bis hin zur Beseitigung ausgemachter Sündenböcke fordern, braucht es umso dringender die Universität als Ort und Ausgangspunkt emanzipatorischer Kämpfe. Sei es gegen steigende Mieten und Wohnraummangel oder für einen Feminismus, der über universitäre Gleichstellungsbeauftragte hinausgeht. Ein neuer Tarifvertrag kann somit kein endgültiges Ziel darstellen, sondern muss der Anfang weiterer kritischer Reflexion und Organisation sein.

Das gute Leben für Alle erkämpfen!

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Vortragsankündigung: Phantombesitz verteiden! Zur Sozialpsychologie neu-rechten Ressentiments.

Vortrag mit Dr. Eva von Redecker.

In Europa und Amerika gelingt es derzeit rechten, rassistischen und autoritären Positionen, eine breite Basis zu mobilisieren und politische Öffentlichkeit zu erringen. Linke Selbstbezichtigungen, dass man auf vermeidbare Weise die soziale Frage vernachlässigt habe, laufen dabei am Schauplatz des Kulturkampfes vorbei ins Leere, identitätspolitische Gegenwehr scheint das Problem noch zu verstärken. Was tun? Ein Anfang wäre, das Phänomen besser zu verstehen. Aufbauend auf ihre Thesen zur Rolle des Anti-Genderismus als Angelpunkt rechter Hegemoniebildung wird Eva von Redecker eine ideologiekritische Analyse der Mobilisierungsdynamiken autoritärer Abwehrmechanismen vorstellen.

Eva v. Redecker ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für praktische Philosophie (Sozial- und Rechtsphilosophie) an der HU Berlin. Ihre Forschungsinteressen liegen methodologisch an der Schnittstelle von Kritischer Theorie und feministischer sowie (post)strukturalistischer Sozialphilosophie.

Bei der Veranstaltung können Bustickets nach Hannover zum Aktionstag gegen den AfD-Bundesparteitag erworben werden.

Die Veranstaltung findet im Hauptgebäude der HU statt:
Hörsaal 2097
Unter den Linden 6

Veranstaltung von la:iz
http://laiz.blogsport.eu/

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Cryptoparty

Privatsphäre ist der Raum, in dem Ideen entstehen und in dem wir uns
unbeobachtet austauschen können. Dieser Raum existiert nicht nur physisch,
sondern auch digital. Mit der zunehmenden gesellschaftlichen Digitalisierung
wird auch die Frage nach der digitalen Privatsphäre immer wichtiger.
Unser Alltag ist von Überwachungstechnologien durchdrungen.
Kaum ein Weg, auf dem wir nicht von Kameras beobachtet werden.
Mit wem wir telefonieren, Emails schreiben, oder welche Websiten
wir besuchen, alles wird gespeichert und verarbeitet.

Und der Hunger nach Daten steigt ständig.
Regierungen, Geheimdienste und Konzerne werden nicht aufhören, unser
Recht auf Privatsphäre weiter einzuschränken. Zu verlockend erscheint
ihnen der Zugang zu Informationen über unsere Einstellungen, Vorlieben
und Gewohnheiten. Wir müssen also den Schutz dieses Rechtes selbst
in Hand nehmen, uns dezentral vernetzen und von einander lernen.
Cryptoparties sind der Versuch, genau dafür einen Raum zu schaffen.
Sie werden weltweit von Freiwilligen organisiert,
sind unabhängig von Vorwissen, offen für alle und kostenlos.

Wenn du jetzt Lust bekommen haben solltet, selber einmal an einer Cryptoparty
teilzunehmen, du Fragen hast, oder uns unterstützen willst, fühl dich herzlich eingeladen am

28.06.2017 um 19:00 uhr

in den
AStA, TU-Berlin, Haus TK2
Straße des 17. Juni 135
https://asta.tu-berlin.de/kontakt

In der Regel bereiten wir drei Themenfelder etwas genauer vor

Verschlüsselt kommunizieren (Email, Messenger)
Anonym surfen (TOR, Tails)
Speichermedien verschlüsseln (Smartphones, Festplatten, USB-Sticks)

die wir im Laufe der Cryptoparty in kleinen Gruppen kennenlernen werden.
Du bist aber wie gesagt auch ausdrücklich dazu angehalten eigene Beiträge, Anregungen und Fragen mitzubringen!

Anmeldungen ist nicht erforderlich.
Wenn du das Gelernte gleich ausprobieren willst, bringe am besten einen Laptop, oder ein Smartphone und einen USB-Stick mit.

Bis dann 🙂

Achso, damit wir alle eine gute Zeit haben, hier noch ein paar einfache Prinzipien, an denen wir uns orientieren werden:
https://www.cryptoparty.in/berlin/werkstatt/code-of-conduct-en

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Verkürzte Kapitalismuskritik // Vortrag & Diskussion

Heuschrecken, Gier und Weltverschwörung
Regressiver Antikapitalismus und das antisemitische Ressentiment

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Je länger die weltweite ökonomische Krise dauert, desto beliebter sind einfache Erklärungen. Geht es gegen Banken und „die Finanzmärkte“, sind sich fast alle einig: ParteipolitikerInnen, Gewerkschaften, Linke, Rechte, diverse VerschwörungsphantastInnen und wer sonst alles in Krisenzeiten das Wort ergreift. Alle miteinander halten sie „die Gierigen, die den Hals nicht voll genug kriegen“ für die VerursacherInnen der Krise. Auch manch vermeintlich radikaleR KapitalismuskritikerIn findet sich da in trauter Eintracht mit Finanzminister, Fernseher und Frau Meier wieder. Wenn es gegen die „Zirkulationssphäre“ geht, entstehen sonderbar anmutende Schulterschlüsse. Ein ebenso verbreiteter wie unreflektierter Bauch-Antikapitalismus verwechselt Gesellschaftskritik mit Wut auf „die da oben“, „Lügenpack“ und „Lügenpresse“.

Die NationalsozialistInnen setzten „die Gierigen“ mit „den Juden“ gleich. Doch auch wer das nicht tut, kann sich in einer gefährlichen Nähe zum Antisemitismus befinden, ohne sich darüber im Klaren zu sein. Die Aufspaltung des kapitalistischen Prinzips in „produktives Kapital“ auf der einen und „das Finanzkapital“ auf der anderen Seite leistet einer Dämonisierung des Finanzsektors Vorschub, die letztlich auf antisemitische Stereotype zurückgreift. Blind dafür, was der Wahn vom „Kampf der ehrlich Arbeitenden“ gegen die „Gierigen, die die Völker aussaugen“ schon einmal angerichtet hat, sehnen sich viele nach einfachen Antworten. Das macht sie anfällig für allerlei Demagogisches und Autoritäres – ein auffälliger Kontrast zum allgegenwärtigen deutschen Credo, man habe aus der Geschichte gelernt.

Der Vortrag beleuchtet oberflächlichen und personalisierenden Antikapitalismus und behandelt Grundzüge einer reflektierten Kapitalismuskritik, die der Referent für dringend notwendig hält.

Lothar Galow-Bergemann war freigestellter Personalrat in zwei Großkliniken. Heute schreibt er u.a. in konkret, Jungle World und auf www.emafrie.de.

9.6. // 16 Uhr // Treffpunkt vor Ihnesstr. 21, Raum wird ausgeschildert

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