Vortragsankündigung: Arbeit macht unfrei – Zum Zusammenhang von Arbeitsfetisch und Antisemitismus

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Wer streikt, macht zwei Erfahrungen: Dass es gut ist, sich zu wehren. Und dass, selbst wenn man erfolgreich war, danach doch alles irgendwie beim Alten bleibt. Dass wir lebenslänglich arbeiten-müssen-um-Geld-zu-verdienen-damit-wir-leben-können ist das ungeschriebene, aber höchste Gesetz der bürgerlichen Gesellschaft. Arbeit sei so etwas wie Natur, lautet der allgemeine Konsens. Wer etwas gegen sie hat, gilt als verrückt oder faul, meistens als beides.

Nicht immer wurde die Arbeit so überhöht wie heute. In der Antike hatte sie sogar einen ausgesprochen schlechten Ruf. Mit Beginn der Neuzeit jedoch erfuhr sie religiöse Weihen. Das protestantische Arbeitsethos stand an der Wiege des Kapitalismus. Das Bürgertum, die Arbeiterbewegung und der Nationalsozialismus haben die Arbeit förmlich verherrlicht.

Doch auch wenn es dem herrschenden Bewusstsein noch so uneinsichtig ist: Arbeit und nützliches/ sinnvolles/lustvolles Tätigsein sind zwei Paar Stiefel. Auch ist Arbeit kein „antagonistischer“ Gegensatz zum Kapital. Sie ist vielmehr herrschendes Formprinzip der warenproduzierenden Gesellschaft, deren Ausgangs- und Zielpunkt nicht etwa der stoffliche Reichtum ist, von dem alleine wir leben, sondern die selbstzweckhafte Verwertung des Werts.

Die Insassen dieser Gesellschaft müssen darauf hoffen, dass der Markt ihrer Arbeit Wert bescheinigt. Aus der Arbeit beziehen sie ihre Identität. Obwohl sie lebenslang die Angst begleitet, „wertlos“ zu werden und ins Bodenlose zu stürzen, erscheinen ihnen diese Verhältnisse als natürlich und alternativlos. Läuft nach ihrem Empfinden etwas schief in der Gesellschaft, machen sie vornehmlich „eine falsche Politik“ dafür verantwortlich, ohne die basalen Zwänge der Ökonomie auch nur eines Blickes zu würdigen. Häufen sich allerdings Krisen, Elend, Not und Kriege, so hat das für sie erst recht nichts mit der Herrschaft von Arbeit, Ware, Wert, Markt und Kapital zu tun, sondern ist äußeren Faktoren geschuldet. Ihr Tunnelblick kann dann schnell zu Verschwörungsweltbildern mutieren. Sie phantasieren dunkle Mächte, getrieben von verwerflichen Interessen und böser Absicht, die ihnen an den Kragen wollen. Ihre Identifikation mit der „ehrlichen Arbeit“, die von der „Raffgier“ bedroht wird, entlädt sich schlimmstenfalls im antisemitischen Vernichtungswahn. Nicht ohne Grund stand der perverse Satz „Arbeit macht frei“ über dem Tor von Auschwitz.

Die Nationalsozialisten setzten „die Gierigen“ mit „den Juden“ gleich. Doch auch wer das nicht tut, kann sich in einer gefährlichen Nähe zum Antisemitismus befinden, ohne sich darüber im Klaren zu sein. Eine reflektierte Kapitalismuskritik, die sich wesentlich vom herrschenden Bauch-Antikapitalismus unterscheidet, der Gesellschaftskritik mit Wut auf „gierige Bankster“, „Lügenpack“ und „Lügenpresse“ verwechselt, ist heute nötiger denn je. Zumal sie mit der Kritik der Arbeit beginnt und deswegen einen völlig anderen Blick auf die Dinge werfen kann: Der eigentliche Skandal ist nämlich nicht, dass die gewaltige Steigerung der Produktivität, die wir erleben, nicht jedem einen Arbeitsplatz verschafft, sondern dass wir trotzdem immer mehr und immer länger arbeiten sollen. Schon längst wäre ein besseres Leben für alle mit viel mehr Raum zur persönlichen Entfaltung möglich. Ohne Kapitalismus.

Lothar Galow-Bergemann war Personalrat in zwei Großkliniken. Seine schönsten Arbeitstage erlebte er, wenn er zusammen mit seinen KollegInnen gestreikt hat. Heute schreibt er u.a. in Konkret, Jungle World und auf http://www.emafrie.de.


Mittwoch, 9. Mai 19:00
Unter den Linden 6 HU-Hauptgebäude Hörsaal 1072

Veranstaltung aus der Reihe „Kritik der Arbeit“ von la:iz und RIA.

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Vortragsankündigung: Einführung in die Marxsche Kapitalismuskritik

Zum Auftakt unserer Veranstaltungsreihe »Kritik der Arbeit« führt Anne-Kathrin Krug in die Grundbegriffe der Marxschen
Kapitalismusanalyse ein:

Marx ist zur Zeit in aller Munde. Im letzten Jahr feierte die erste deutsche Ausgabe des Kapital Band 1 150jähriges Jubiläum und in diesem Jahr wird 200. Geburtstag von Marx selbst gefeiert. Einen Blick in sein Hauptwerk Das Kapital haben aber nur sehr wenige geworfen. Kann man sich das sparen? Ist er nicht eine Figur des 19. Jahrhunderts, der damals wichtig war, für uns heute aber nichts Brauchbares mehr leistet?

Die Veranstaltung führt in die Marxsche Kapitalismuskritik ein, stellt die wichtigsten Grundbegriffe vor und versucht einen Zusammenhang der drei Bände des Kapital zu skizzieren. Dabei wird sich entsprechend des Themas der Ringvorlesung schwerpunktmäßig auf den Begriff der Arbeit im Kapital bezogen.

Anne-Kathrin Krug ist Rechtsanwältin in Berlin und teamt seit vielen Jahren Lesekreise zum Kapital Band 1 bis 3.


24. April 2018, 19:00
Unter den Linden 6 HU-Hauptgebäude Hörsaal 2002

Veranstaltung von laiz und RIA.

 

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no:bedience – 1.4. im Mensch Meier

Wir machen ne Party im Mensch Meier! 1.4. ab 21h mit Vortrag. 8-12€. Bis 23h gegen Spende.

>English version below<

[ˈʊnɡəˌhoːɐ̯zaːm] Die Nichtbefolgung oder Weigerung, eine Verhaltensaufforderung einer Autorität auszuführen.

[ˈʀaʊ̯ʃ] Mentaler Zustand der Glückseligkeit.

[ˌzolidaʀiˈtɛːt] Bewusstsein der Zusammengehörigkeit, gegenseitige Hilfsbereitschaft.

no:bedience richtet sich gegen die herrschenden Verhältnisse und ruft zum solidarischen Rausch unter Ungehorsamen auf. Pfeffi für jede mitgebrachte polizeiliche Vorladung!

Und um dem Patriarchat eins auszuwischen, stehen mehrheitlich FLTI*-Personen hinter den Decks und ein Awareness-Team wird während der gesamten Veranstaltung bei übergriffigem Verhalten ansprechbar sein. Die Location ist barrierearm.

Lasst uns gemeinsam im MenschMeier feiern und entschlossen gegen Repression zusammenstehen.

United we stand – divided we fall!

Supported by Friedel54-Siebdruckstand & Rote Hilfe Berlin!

21h: Input.

// Adolfina Fuck (live) | antisemantic

// Anselmus | Herz&Leber / Solidarisch Tanzen

// Bouba | sleepers

// freakout | Grenzenløs / drosssel

// Kataya

// Liesa | HAMAM Nights

// Nina Berg

// Punani | minikry

// Wie ein Vogel einst (live) | loopop

// Rotation 44 | antisemantic / Dachbarn

// s.ra | Institut fuer Zukunft / No Show

// Yves Eden | Nachtasyl

[English version]

[ˌdɪsəˈbiːdɪəns] Refusal to obey.

[ˈɛkstəzi] Intense pleasure, a state of emotion so intense that a person is carried beyond rational thought and self-control.

[ˌsɒlɪˈdærɪtɪ] A bond of unity or agreement between individuals, united around a common goal or against a common enemy; mutual support within a group. Willingness to give psychological and/or material support when another person is in a difficult position or needs affection.

no:bedience directs against the material and political conditions in this society and calls for solidary ecstasy among disobedient comrades and friends. Pfeffi shots for every police summons brought along!

Scoring off the patriarchy more than half of the lineup are flti* DJs and there will be an awareness team approachable during the entire event. The location is wheelchair accessible.

Let us dance together and stand strong against repression. United we stand – divided we fall!

*flti stands for WomenLesbiansTransInter.

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Für einen neuen Tarifvertrag und ein Ende der Arbeit!

In Solidarität mit den streikenden Studentischen Hilfskräften in Berlin haben wir folgendes Flugblatt verfasst und während des Streiks verteilt:

Letzte Woche versammelten sich im Rahmen des Warnstreiks der studentischen Beschäftigten etwa 1.300 Menschen auf dem Bebelplatz. Ein beachtlicher Erfolg, tritt die Universität als Schauplatz politischer Kämpfe doch nur noch selten in Erscheinung. Die Verschulung und arbeitsmarktkonforme Ausrichtung der Studiengänge, im Zuge des Bologna-Prozesses, hatten eine enorme Steigerung des Arbeitsaufwands zur Folge und setzen somit den Möglichkeiten politischer Partizipation enge Grenzen. Auch in den übrigen Bereichen ordnen sich seit Jahren die Ideale der Universität den Prinzipien des freien Marktes unter: »survival of the fittest« statt akademischer Freiheit. Der vermeintliche Traumarbeitgeber Universität hat deshalb vor allem prekäre Beschäftigungsverhältnisse zu bieten, die sich u.a. in 40h-Wochen bei Teilzeit-Stellen für Doktorand*innen und einem seit 17 Jahren sinkenden Reallohn für studentische Hilfskräfte äußern.

Diese Zumutungen im akademischen Hamsterrad werden oftmals mit einer Ideologie der Selbstverwirklichung durch Arbeit kompensiert und erscheinen als notwendiges Übel auf der Karriereleiter. Befristete Arbeitsverträge und kurze Regelstudienzeiten erschweren die politische Organisation dagegen zusätzlich. Doch es regt sich Widerstand. Wie schon vergangene Woche streiken nun die Studentischen Hilfskräfte für mehr Lohn, Urlaub und Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall. Ein wichtiger Kampf, der geführt werden muss und dessen Erfolg wir uns wünschen.

Für diese Verbesserungen gilt es sich gegen die Vorgesetzten durchzusetzen, die ihren Wettbewerbsvorteil auch mit unlauteren Mitteln schützen wollen, indem sie dem legalen Arbeitskampf mit Repressionen drohen. Doch weder ist die Ursache der Probleme mit den Vorgesetzten benannt, noch kann deren Lösung eine mickrige Lohnerhöhung um drei Euro sein.
Vielmehr muss es darum gehen eine Gesellschaftsordnung zu kritisieren die sich nicht nach den Bedürfnissen der Menschen richtet, sondern jede Sphäre, ebenso die der Universität, dem Prinzip der profitablen Verwertung unterwirft. Eine Gesellschaft, in der technologischer Fortschritt und der damit einhergehende stoffliche Reichtum nicht die entwürdigende Tätigkeit der Arbeit überflüssig macht, sondern die Konkurrenz unter den Individuen befeuert und die Erde unbewohnbar hinterlässt – eine patriarchal-kapitalistische Gesellschaft.

In Zeiten in denen rechte Ideologien reichlich Gehör finden, die die rassistische Zuspitzung der Konkurrenz bis hin zur Beseitigung ausgemachter Sündenböcke fordern, braucht es umso dringender die Universität als Ort und Ausgangspunkt emanzipatorischer Kämpfe. Sei es gegen steigende Mieten und Wohnraummangel oder für einen Feminismus, der über universitäre Gleichstellungsbeauftragte hinausgeht. Ein neuer Tarifvertrag kann somit kein endgültiges Ziel darstellen, sondern muss der Anfang weiterer kritischer Reflexion und Organisation sein.

Das gute Leben für Alle erkämpfen!

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Vortragsankündigung: Phantombesitz verteiden! Zur Sozialpsychologie neu-rechten Ressentiments.

Vortrag mit Dr. Eva von Redecker.

In Europa und Amerika gelingt es derzeit rechten, rassistischen und autoritären Positionen, eine breite Basis zu mobilisieren und politische Öffentlichkeit zu erringen. Linke Selbstbezichtigungen, dass man auf vermeidbare Weise die soziale Frage vernachlässigt habe, laufen dabei am Schauplatz des Kulturkampfes vorbei ins Leere, identitätspolitische Gegenwehr scheint das Problem noch zu verstärken. Was tun? Ein Anfang wäre, das Phänomen besser zu verstehen. Aufbauend auf ihre Thesen zur Rolle des Anti-Genderismus als Angelpunkt rechter Hegemoniebildung wird Eva von Redecker eine ideologiekritische Analyse der Mobilisierungsdynamiken autoritärer Abwehrmechanismen vorstellen.

Eva v. Redecker ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für praktische Philosophie (Sozial- und Rechtsphilosophie) an der HU Berlin. Ihre Forschungsinteressen liegen methodologisch an der Schnittstelle von Kritischer Theorie und feministischer sowie (post)strukturalistischer Sozialphilosophie.

Bei der Veranstaltung können Bustickets nach Hannover zum Aktionstag gegen den AfD-Bundesparteitag erworben werden.

Die Veranstaltung findet im Hauptgebäude der HU statt:
Hörsaal 2097
Unter den Linden 6

Veranstaltung von la:iz
http://laiz.blogsport.eu/

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Cryptoparty

Privatsphäre ist der Raum, in dem Ideen entstehen und in dem wir uns
unbeobachtet austauschen können. Dieser Raum existiert nicht nur physisch,
sondern auch digital. Mit der zunehmenden gesellschaftlichen Digitalisierung
wird auch die Frage nach der digitalen Privatsphäre immer wichtiger.
Unser Alltag ist von Überwachungstechnologien durchdrungen.
Kaum ein Weg, auf dem wir nicht von Kameras beobachtet werden.
Mit wem wir telefonieren, Emails schreiben, oder welche Websiten
wir besuchen, alles wird gespeichert und verarbeitet.

Und der Hunger nach Daten steigt ständig.
Regierungen, Geheimdienste und Konzerne werden nicht aufhören, unser
Recht auf Privatsphäre weiter einzuschränken. Zu verlockend erscheint
ihnen der Zugang zu Informationen über unsere Einstellungen, Vorlieben
und Gewohnheiten. Wir müssen also den Schutz dieses Rechtes selbst
in Hand nehmen, uns dezentral vernetzen und von einander lernen.
Cryptoparties sind der Versuch, genau dafür einen Raum zu schaffen.
Sie werden weltweit von Freiwilligen organisiert,
sind unabhängig von Vorwissen, offen für alle und kostenlos.

Wenn du jetzt Lust bekommen haben solltet, selber einmal an einer Cryptoparty
teilzunehmen, du Fragen hast, oder uns unterstützen willst, fühl dich herzlich eingeladen am

28.06.2017 um 19:00 uhr

in den
AStA, TU-Berlin, Haus TK2
Straße des 17. Juni 135
https://asta.tu-berlin.de/kontakt

In der Regel bereiten wir drei Themenfelder etwas genauer vor

Verschlüsselt kommunizieren (Email, Messenger)
Anonym surfen (TOR, Tails)
Speichermedien verschlüsseln (Smartphones, Festplatten, USB-Sticks)

die wir im Laufe der Cryptoparty in kleinen Gruppen kennenlernen werden.
Du bist aber wie gesagt auch ausdrücklich dazu angehalten eigene Beiträge, Anregungen und Fragen mitzubringen!

Anmeldungen ist nicht erforderlich.
Wenn du das Gelernte gleich ausprobieren willst, bringe am besten einen Laptop, oder ein Smartphone und einen USB-Stick mit.

Bis dann 🙂

Achso, damit wir alle eine gute Zeit haben, hier noch ein paar einfache Prinzipien, an denen wir uns orientieren werden:
https://www.cryptoparty.in/berlin/werkstatt/code-of-conduct-en

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Verkürzte Kapitalismuskritik // Vortrag & Diskussion

Heuschrecken, Gier und Weltverschwörung
Regressiver Antikapitalismus und das antisemitische Ressentiment

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Je länger die weltweite ökonomische Krise dauert, desto beliebter sind einfache Erklärungen. Geht es gegen Banken und „die Finanzmärkte“, sind sich fast alle einig: ParteipolitikerInnen, Gewerkschaften, Linke, Rechte, diverse VerschwörungsphantastInnen und wer sonst alles in Krisenzeiten das Wort ergreift. Alle miteinander halten sie „die Gierigen, die den Hals nicht voll genug kriegen“ für die VerursacherInnen der Krise. Auch manch vermeintlich radikaleR KapitalismuskritikerIn findet sich da in trauter Eintracht mit Finanzminister, Fernseher und Frau Meier wieder. Wenn es gegen die „Zirkulationssphäre“ geht, entstehen sonderbar anmutende Schulterschlüsse. Ein ebenso verbreiteter wie unreflektierter Bauch-Antikapitalismus verwechselt Gesellschaftskritik mit Wut auf „die da oben“, „Lügenpack“ und „Lügenpresse“.

Die NationalsozialistInnen setzten „die Gierigen“ mit „den Juden“ gleich. Doch auch wer das nicht tut, kann sich in einer gefährlichen Nähe zum Antisemitismus befinden, ohne sich darüber im Klaren zu sein. Die Aufspaltung des kapitalistischen Prinzips in „produktives Kapital“ auf der einen und „das Finanzkapital“ auf der anderen Seite leistet einer Dämonisierung des Finanzsektors Vorschub, die letztlich auf antisemitische Stereotype zurückgreift. Blind dafür, was der Wahn vom „Kampf der ehrlich Arbeitenden“ gegen die „Gierigen, die die Völker aussaugen“ schon einmal angerichtet hat, sehnen sich viele nach einfachen Antworten. Das macht sie anfällig für allerlei Demagogisches und Autoritäres – ein auffälliger Kontrast zum allgegenwärtigen deutschen Credo, man habe aus der Geschichte gelernt.

Der Vortrag beleuchtet oberflächlichen und personalisierenden Antikapitalismus und behandelt Grundzüge einer reflektierten Kapitalismuskritik, die der Referent für dringend notwendig hält.

Lothar Galow-Bergemann war freigestellter Personalrat in zwei Großkliniken. Heute schreibt er u.a. in konkret, Jungle World und auf www.emafrie.de.

9.6. // 16 Uhr // Treffpunkt vor Ihnesstr. 21, Raum wird ausgeschildert

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G20 Africa-Europe Partnership? // Vortrag & Diskussion

Vortrag & Diskussion von Afrique-Europe Interact

Warum kommen immer weniger Asylsuchende in Deutschland und an den europäischen Außengrenzen an?
Hat die Migrationsbewegung tatsächlich abgenommen oder gibt es Mechanismen, die verhindern, dass Menschen es überhaupt so weit schaffen?

Um diese Fragen zu beantworten, wollen wir uns die sogenannten „Migrationspartnerschaften“ anschauen. Mithilfe dieser postkolonialen Mechanismen versucht die EU in den Transit- und Herkunftsstaaten Flucht und Migrationsbewegungen durch Sicherungsmaßnahmen zu steuern. Für die Migrationsbekämpfung werden den Drittstaaten nur vage Leistungen wie beispielweise Visa Erleichterungen in Aussicht gestellt, darüber hinaus wird deren Abhängigkeit von Entwicklungszusammenarbeit ausgenutzt, indem diese an migrationspolitische Vorgaben geknüpft wird.
Dafür werden nicht nur Mittel direkt aus Entwicklungsfonds bezahlt oder Entwicklungszahlungen an Migrationsziele gebunden. Vielmehr wird mit autoritären bis diktatorischem Regimen zusammengearbeitet, sodass die EU Verletzungen von Menschenrechten von Migrant*innen und Geflüchteten einfach auslagert. Dabei bekommen diese Regime unter anderem finanzielle Mittel um ihre militärischen Grenzkontrollen auszubauen. Diese Politik der Irregularisierung von Migration führt zu einer Kriminalisierung von Migrant*innen und Geflüchteten, die xenophobe und migrationsfeindliche Stimmungen befeuert.

Am 11. und 12. Juni findet im Vorfeld des G20-Gipfels in Hamburg die ‚Africa Partnership Conference’ (APC) in Berlin statt. Dabei werden die Repräsentant*innen der G20-Staaten mit Vertreter*innen der Privatwirtschaft sowie Vertreter*innen von 5 afrikanischen Staaten, Marokko, Ruanda, Tunesien, Senegal und Elfenbeinküste sogenannte „Migrationspartnerschaften“ aushandeln, die dann auf der G20 Konferenz in Hamburg abgesegnet werden sollen.

7.6. // 16 Uhr // Ihnesstr. 22, Raum UG5

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Veranstaltung: G20 in Hamburg – Sinnloses Spektakel oder politische Chance?

In wenigen Wochen treffen sich in Hamburg, hochrangige Regierungsvertreter_innen der neunzehn wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, sowie der EU.
Entgegen sich hartnäckig haltenden Behauptungen, teilen sie an diesen zwei Tagen aber nicht die Welt unter sich auf. Stattdessen geht es den Teilnehmenden vielmehr um ein zur Schau stellen ihrer politischen Macht. Die Einsicht um diese verhältnismäßig geringe Relevanz für das politische Tagesgeschäft sowie die Erfahrung, dass es nahezu unmöglich ist, diese schwer gesicherten Gipfeltreffen zu verhindern, waren wesentlich für den Bedeutungsverlust der Antiglobalisierungsbewegung. Dennoch mobilisieren (beinahe) alle Spektren links der SPD nach Hamburg – es scheint als wären die zahlreichen Lehren aus Genua, Heiligendamm oder Toronto schon wieder vergessen. Oder nicht?

In der Veranstaltung wollen wir das Für und Wider einer weiteren Gipfelmobilisierung diskutieren und schauen inwiefern es möglich ist, Erkenntnisse aus über zwanzig Jahren Antiglobalisierungsbewegung darin einzubeziehen.

24.5. / 18 Uhr / Habelschwerdter Allee 45

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„Otto von unten“ am 07.02.2017

Uni-Krawall und Uni-Remmidemmi!
Jetzt auch an der FU!
Falls euch der (lange und beschwerliche) Weg ins kalte Mitte zu blöd ist, im zauberhaften Dahlem gibt es am Dienstag auch Protest. Und er hat auch noch einen wunderschönen Namen.
Otto von Unten, FU von Unten, Uni von Unten, Stadt von Unten!

Nicht nur die Lehre und Strukturen der Humboldt Univerität Berlin sind zu kritisieren. Auch bei uns, der Freien Universität Berlin, läuft so einiges schief: Da ist Semster für Semester weniger Raum für kritische Lehre. Reinigungsfachkäfte, Lehrende und andere Statutsgruppen werdn prekärst beschäftigt. Basisdemokratische Partizipation am universitären System ist schwer möglich, wo Professor*innen in beinahe allen Gremien über 50% der Sitze belegen.

„FU, geh sterben!“ könnte Studi nun rufen und auf der Stelle sein*ihr Semesterticket verbrennen. Oder still schweigend weiter büffeln.

Aber uns ist das zu einfach!

„Wer sind wir?

Wir sind Studierende der Freien Universität, die keine Lust mehr haben die Neoliberalisierung der Uni stillschweigend mitzutragen. Du hast auch Lust auf eine selbstbestimmte Uni? Du willst etwas verändern und möchtest deiner Stimme Gehör verschaffen? Ob Student*in, Beschäftigte*r an der Uni oder Schüler*in – Mach mit, bring dich ein!“

Wir wollen die FU aktiv mitgestalten, „utopieren“ – und dazu möglichst viele Kommiliton*innen einladen.

„Worum geht’s?

Die Situation an den Hochschulen ist seit Bologna immer wieder Thema: Überfüllte Seminare, fehlende Mitbestimmung, Leistungsdruck, schlechte Betreuung der Studierenden und wenig Raum für kritische Inhalte. Das besetzte Institut für Sozialwissenschaften der HU zeigt, wie Protest dagegen aussehen könnte.
Die Forderungen des ISW verknüpfen die Situation an deutschen Hochschulen mit breiten politischen Forderungen. Die Uni ist kein außergesellschaftlicher Raum. Hier werden Entscheidungen getroffen – wer darf lehren? Wer darf studieren? Und welche Inhalte sind zu unbequem, um Teil eines Seminars zu sein?
Diese Situation betrifft nicht nur, wie häufig wahrgenommen Studierende und Dozierende, sondern die gesamte Gesellschaft. Konkurrenz und Leistungsdruck gibt es in der Uni – und außerhalb.
Es geht darum, wie wir unsere Uni und unser Leben gestalten wollen!“

Ein offener Brief der Fachschaftsinitiative des Otto-Suhr-Instituts, legte bereits im Dezember letzten Jahres Misstände am OSI offen.

„Was wir wollen?

Wir wollen allen einen Raum bieten für eure Ansichten, Wünsche und Probleme und so Austausch ermöglichen. Hier ist Raum für eure Gedanken, die ihr sonst nur selten mitteilt. Unsicherheit, Anonymität und Vereinzelung sind keine Einzelfälle, sondern Teil der Struktur der Hochschule als Lernfabrik. Wir müssen uns kennenlernen, unsere Gedanken teilen, Probleme thematisieren und verändern. Dafür soll an dem Aktionstag „Otto von unten“ am 07.02.2017 ab ca. 10 Uhr eine Plattform geboten werden.

Es werden verschiedene Akteur*innen Denkanstöße zu den Themen Prekarisierung, Finanzierung und Mitbestimmung an der Uni geben. Dazu laden wir hochschulpolitische Gruppen, Fachschaftsinitiativen, Zusammenschlüsse von Beschäftigten der Uni, Dozierende und Professor*innen und Alle, die sich einbringen wollen, ein.
Wir wollen zweifeln, kritisieren und verändern! Macht mit!“

Somit geht es uns um weit mehr, als die Situaton am Otto-Suhr-Insttut der FU. Nebst dessen FSI, engagieren sich unter anderem die folgenden Initiativen an „FU von unten„:

  • AG VG Wort
  • Decolonize FU
  • KriWis
  • Kritische Jurist*innen
  • Geflüchtete Hütenweg
  • la:iz
  • Grottian
  • AStA FU
  • TV Stud

Am kommenden Dienstag (07.02.) werdet ihr im OSI ab 10 Uhr Zeit haben, euch bei Workshops, Vorträgen und KüfA über die Arbeit und Anliegen der Initiativen auseinanderzusetzten.

Auch Nicht-Studierende und FU-externe Referent*innen werden zu Wort kommen.

Aktuelle Ankündigungen und den genauen Veranstaltungsort findet ihr auf der Facebook Seite von „FU von unten“.

„Ihr habt Anregungen, Fragen oder wollt euch einbringen – meldet euch unter: fu-vonunten@riseup.net
#ottovonunten #iswbesetzt #holmbleibt #univonunten Holm bleibt La:iz FSI OSI SOWI-Fachschaft fsi wiwiss„.

la:iz

Quelle: „FU von unten„; 31.01.2017.

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