Für einen neuen Tarifvertrag und ein Ende der Arbeit!

In Solidarität mit den streikenden Studentischen Hilfskräften in Berlin haben wir folgendes Flugblatt verfasst und während des Streiks verteilt:

Letzte Woche versammelten sich im Rahmen des Warnstreiks der studentischen Beschäftigten etwa 1.300 Menschen auf dem Bebelplatz. Ein beachtlicher Erfolg, tritt die Universität als Schauplatz politischer Kämpfe doch nur noch selten in Erscheinung. Die Verschulung und arbeitsmarktkonforme Ausrichtung der Studiengänge, im Zuge des Bologna-Prozesses, hatten eine enorme Steigerung des Arbeitsaufwands zur Folge und setzen somit den Möglichkeiten politischer Partizipation enge Grenzen. Auch in den übrigen Bereichen ordnen sich seit Jahren die Ideale der Universität den Prinzipien des freien Marktes unter: »survival of the fittest« statt akademischer Freiheit. Der vermeintliche Traumarbeitgeber Universität hat deshalb vor allem prekäre Beschäftigungsverhältnisse zu bieten, die sich u.a. in 40h-Wochen bei Teilzeit-Stellen für Doktorand*innen und einem seit 17 Jahren sinkenden Reallohn für studentische Hilfskräfte äußern.

Diese Zumutungen im akademischen Hamsterrad werden oftmals mit einer Ideologie der Selbstverwirklichung durch Arbeit kompensiert und erscheinen als notwendiges Übel auf der Karriereleiter. Befristete Arbeitsverträge und kurze Regelstudienzeiten erschweren die politische Organisation dagegen zusätzlich. Doch es regt sich Widerstand. Wie schon vergangene Woche streiken nun die Studentischen Hilfskräfte für mehr Lohn, Urlaub und Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall. Ein wichtiger Kampf, der geführt werden muss und dessen Erfolg wir uns wünschen.

Für diese Verbesserungen gilt es sich gegen die Vorgesetzten durchzusetzen, die ihren Wettbewerbsvorteil auch mit unlauteren Mitteln schützen wollen, indem sie dem legalen Arbeitskampf mit Repressionen drohen. Doch weder ist die Ursache der Probleme mit den Vorgesetzten benannt, noch kann deren Lösung eine mickrige Lohnerhöhung um drei Euro sein.
Vielmehr muss es darum gehen eine Gesellschaftsordnung zu kritisieren die sich nicht nach den Bedürfnissen der Menschen richtet, sondern jede Sphäre, ebenso die der Universität, dem Prinzip der profitablen Verwertung unterwirft. Eine Gesellschaft, in der technologischer Fortschritt und der damit einhergehende stoffliche Reichtum nicht die entwürdigende Tätigkeit der Arbeit überflüssig macht, sondern die Konkurrenz unter den Individuen befeuert und die Erde unbewohnbar hinterlässt – eine patriarchal-kapitalistische Gesellschaft.

In Zeiten in denen rechte Ideologien reichlich Gehör finden, die die rassistische Zuspitzung der Konkurrenz bis hin zur Beseitigung ausgemachter Sündenböcke fordern, braucht es umso dringender die Universität als Ort und Ausgangspunkt emanzipatorischer Kämpfe. Sei es gegen steigende Mieten und Wohnraummangel oder für einen Feminismus, der über universitäre Gleichstellungsbeauftragte hinausgeht. Ein neuer Tarifvertrag kann somit kein endgültiges Ziel darstellen, sondern muss der Anfang weiterer kritischer Reflexion und Organisation sein.

Das gute Leben für Alle erkämpfen!

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