Rassismus und Islamkritik

Die Tyrannei des Islamischen Staates, in seinen syrischen und irakischen Gebieten, ließ sich mit den gängigen Begriffen der politischen Debatten nicht fassen.
Weltweit werden Unbeteiligte im Namen des Islams in den Tod gerissen. Woraufhin im Namen der Sicherheit die Überwachung und Polizeipräsenz immens verstärkt wird.

Während der Islamische Staat geopolitisch kaum noch eine Rolle spielt, hat der Islamismus in der Islamischen Republik Iran bereits staatliche Form; weitere Staaten haben eine starke islamistische Prägung. Auch in vermeintlich säkularen Staaten bemühen sich islamistische Verbände um die Verbreitung eines fundamentalistischen Islams.

Patriarchale Familienstrukturen in islamisch-konservativen Familien sind immer wieder Gegenstand politischer Debatten. Ehrtötungen, Zwangsheirat und Verschleierung von minderjährigen Mädchen verstören jeden an Emanzipation interessierten Menschen. Ebenso die Idee einer deutschen Leitkultur, die gerne als Lösung ins Feld geführt wird.

Denn deutsch sind vor allem asyl- und migrationsfeindliche Demonstrationen und Bewegungen, die Hass gegen Muslime verbreiten und damit die Dichotomie von „Wir gegen sie“ vorantreiben. Dieser Hass gipfelt in lebensbedrohlichen Angriffen u.a. auf Geflüchtetenunterkünfte, und seiner parlamentarischen Etablierung. In deren Folge sich diesen Bewegungen neue, insbesondere finanzielle, Möglichkeiten eröffnen. Während altbewährte linke Strategien – Blockaden und Störaktionen – ins Leere laufen, werden die Stimmen, die um Dialog mit Rechtsextremen und -radikalen werben, immer lauter.
Spektren übergreifend ist man sich in Deutschland darin einig, dass es sich bei Sexismus, patriarchalen Familienstrukturen, Antisemitismus und der Empfänglichkeit für islamistische Ideologie um genuin muslimische Probleme handelt. So formulierte der Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, in Reaktion auf antisemitische Demonstrationen im Dezember 2017, Deutschsein als Gegenthese zum Antisemitismus.

Vor diesem spannungsgeladenen Hintergrund stellen wir uns die Frage, wie der sich antimuslimisch artikulierende Hass funktioniert und wie ihm begegnet werden kann, ohne dabei Islam und Islamismus zu verharmlosen und die notwendige Kritik an beiden zu verunmöglichen. Gleichzeitig wollen wir emanzipatorische Kritik an Islam und Islamismus üben und fragen uns nach den Unterschieden zwischen einer solchen und der mehrheitlich antimuslimischen „Kritik“.

Wir haben uns mit Lothar Galow-Bergemann getroffen, um über die sogenannte Islamdebatte zu sprechen. Lothar schreibt für die Zeitschriften konkret und jungle world. Außerdem ist er im Netzwerk Emanzipation und Frieden aktiv, welches auf ihrem Blog emafrie.de regelmäßig Beiträge zur Gesellschaftskritik veröffentlicht.

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